Der Kredit

Von Jordi Galceran
Regie: Aydin Isik
Mit: Murat Seven, Björn Lukas

Foto: Aydin Isik / Kilian Bierwirth

Der Filialleiter der Bank hat es sich gerade so richtig gemütlich gemacht in seinem Leben. Zufrieden blickt er auf ein hübsch eingerichtetes Dasein mit allem, was dazugehört: Frau, Haus, Kind und sicherer Job. Doch just in dem Moment, in dem er sich ein bisschen zu sehr in seinem Bürostuhl zurücklehnt, taucht Anton Herberg auf und beantragt bei ihm einen Kredit. Ein täglicher Vorgang für den Filialleiter: Antrag geprüft, Antrag abgelehnt. Der Antragsteller bringt nicht die entsprechenden Sicherheiten mit, und das bedeutet ein zu großes Risiko für die Bank.

Anton lässt sich nicht einfach abwimmeln, hakt nach und beruft sich auf seine Vertrauensseligkeit. Doch Vorschriften sind nun einmal Vorschriften. Anton hat keine andere Wahl, er muss tun, was getan werden muss und so eröffnet er dem Filialleiter seine Bedingung: Bekommt er seinen Kredit nicht, dann sieht er sich gezwungen,... (das wäre zu viel verraten)

Geld gegen das eigene Glück! In Jordi Galcerans neuem Stück Der Kredit wird das idyllische spießbürgerliche Leben des Filialleiters durch das Auftauchen des korrupten Kunden aus den Angeln gehoben und der Wert des Geldes in neues Licht gerückt. Im Handumdrehen sind die Weichen gestellt für den Absturz des Filialleiters in ein prekäres Dasein. Erfrischend komisch schildert Galceran, wie sich die Machtverhältnisse neu ordnen: Schritt für Schritt gerät der Filialeiter in die Fänge des Antragstellers, bis am Ende die Rollen gänzlich vertauscht sind.



Kritiken

Kölnische Rundschau
B. Schuchardt

Wie man den Mann von der Bank erpresst...

Aydin Isik bringt Jordi Galcerans Komödie „Der Kredit“ auf die Bühne des Horizont Theaters

Wer bei der Bank einen Kredit beantragt, der muss sich ganz schön nackig machen, bevor die Geldströme fließen-wer keine Sicherheiten bieten kann, der schaut in die Röhre.

Der ausgebuffte Habenichts Anton Schmitz (Björn Lukas) lässt sich das nicht bieten. Mit teuflischer List manipuliert er den armen Filialleiter (Murat Seven) so geschickt, bis dieser nur noch ein zitterndes Nervenbündel ist.

Der Trick: Schmitz droht ihm damit, seine Frau zu verführen. Und schon bricht die gut bürgerliche Existenz des Bankmenschen zusammen wie ein Kartenhaus.

Bis am Ende er es ist, der bereit ist. Jeden Preis zu zahlen...

Einen komödiantischen Psychothriller könnte man das rasante Dialogstück „Der Kredit“ des Katalanen Jordi Galceran nennen, das Aydin Isik für sein Stamm-Theater, das Horizont, in flottem Tempo und mit sicherem Gespür für Situationskomik inszeniert hat. Die beiden so unterschiedlichen Protagonisten brillieren in diesem intelligenten Schlagabtausch, hinter dem sich eine gehörige Portion Kapitalismuskritik und Banken-Bashing verbirgt.

Die raffinierte Konstruktion des Autors, der 2003 mit dem (auch verfilmten) Stück „Die Grönholm-Methode“ über moderne Bewerbungsverfahren bekannt wurde, kehrt sich in der zweiten, leider durch eine Pause abgetrennten Hälfte um. In immer schnelleren Tempo wechseln die Positionen der beiden Männer jetzt zwischen Täter und Opfer, Bittsteller und Erpresser. Wer behält die Oberhand? Gibt es am Ende zwei Sieger? War alles „eine Finte“, wie Anton sagt? Auf jeden Fall ein höchst unterhaltsames und glänzend gespieltes Beispiel für angewandte Psycholgie.