Biedermann und die Brandstifter

von Max Frisch
Regie: Christa Nachs
Mit: Georg B. Lenzen, Signe Zurmühlen, Louisa Schmeing, Stefan Merten, Marcel Eid
Bühnenbild: Jan Pawlowski

Foto: Horizont

In diesem Lehrstück für die Unbelehrbaren nimmt Frisch die Mitschuld des unpolitischen, stets anpassungswilligen Kleinbürgers am Aufkommen des Faschismus satirisch aufs Korn. Immer wieder im Städtchen vor Brandstiftern gewarnt, und Herr Biedermann ist außer sich, dass die Behörden nicht durchgreifen. Da tauchen bei ihm zwei verdächtige Gestalten auf, der Akrobat Sepp Schmitz und der Kellner Willi Eisenring zwei leidenschaftliche Brandstifter. Aus Angst, sie abzuweisen, lässt er sie bei sich wohnen und umsorgt sie als Gäste. Er sieht, wie sie mit Benzinkanistern und Zündschnüren hantieren. Aber er überlässt ihnen sogar Streichhölzer, um Vertrauen zu zeigen. So ermöglicht er die Brandstiftung, die Einäscherung der ganzen Stadt. Brand Aktuell!

PRESSE

Von Barbro Schuchardt

Wahrheit als Tarnung
Christa Nachs inszeniert „Biedermann und die Brandstifter“ am Horizont-Theater
Herr Biedermann kann es einfach nicht glauben. Brandstifter wollen die beiden Typen sein, die sich in sich in seinem Haus eingenistet haben? Welche von der Sorte, die in der ganzen Stadt Häuser abfackeln?

Die Ex-Knacks Willi und Sepp können noch so offensichtlich an den Zündschnüren ihrer Benzinkanister herumfummeln – Biedermann lässt die Beiden auf dem Dachboden kampieren und bewirtet sie fürstlich. Und reicht ihnen am Ende tatsächlich noch die Streichhölzer, mit denen sie sein Haus anzünden. Willi: „Die beste Tarnung ist immer noch die Wahrheit!“

Der Schweizer Max Frisch (1911-1991) hatte sein „Lehrstück ohne Lehre“ 1958 mit Rückblick auf den Faschismus geschrieben. Im Jahr 2016 dürfen wir uns aussuchen, wen wir für Brandstifter halten. Sind es die Terroristen des IS? Die zündelnden Rechtsradikalen? Oder gar die Unbekannten, die als Flüchtlinge nach Deutschland strömen?

Christa Nachs hat mit ihrer Inszenierung am Horizont-Theater dem bejahrten Stück eine Frischzellenkur verpasst und es von der Parabel à la Brecht in eine knackige einstündige Farce verwandelt, um vor allem ein jugendliches Publikum anzusprechen. Dabei kann sie sich auf ein famoses Darsteller-Quintett stützen. Georg B. Lenzen gibt den Haarwasserfabrikanten Gottlieb Biedermann als wendigen Gutmenschen, der die Augen vor der Gefahr verschließt („Sicher, Verdacht hat man immer, aber mit einem bisschen guten Willen reichen wir uns die Hände“) und lieber fraternisiert.

Marcel Eid (Sepp) und Stefan Merten (Willi) erobern das Publikum als köstlich clowneskes Gaunerpärchen, das mit größter Unverfrorenheit seine kriminellen Ziele verfolgt. Einzig Frau Biedermann (Signe Zurmühlen) und das Dienstmädchen Anna (Katharina Baschan) wagen ein bisschen aufzumucken... Auch wenn die ursprüngliche Brisanz des Stückes in Christa Nachs Inszenierung eher slapstickhaft umgemünzt wird: Ihre zupackende Frische lässt noch genug Raum für Diskussionen.

Kölner Rundschau 08. September 2016

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